landmark, messeturm, frankfurt, skyscraper, office skyscraper, facade, building, window, architecture, city, ai generated
6. August 2026

AMLA legt ersten Tätigkeitsbericht vor: Aufbauphase abgeschlossen, operative Arbeit nimmt Fahrt auf

Erhan Demir

2 Minuten

Die europäische Anti-Geldwäschebehörde AMLA hat ihren ersten konsolidierten Tätigkeitsbericht für das Jahr 2025 veröffentlicht. Der Bericht dokumentiert weniger klassische Aufsichtstätigkeit als vielmehr den erfolgreichen Aufbau einer neuen europäischen Behörde. Zugleich zeigt er, dass AMLA bereits zahlreiche Weichen für die praktische Umsetzung des neuen EU-Geldwäscherechts gestellt hat. Für Verpflichtete und nationale Aufsichtsbehörden liefert der Bericht einen guten Einblick in die Schwerpunkte, die AMLA in den kommenden Jahren setzen wird.

2025: Vom Aufbauprojekt zur einsatzfähigen Behörde

Das Jahr 2025 stand vollständig im Zeichen des institutionellen Aufbaus. Nach Inkrafttreten der AMLA-Verordnung wurden Governance-Strukturen geschaffen, das Führungsteam vollständig besetzt, der Sitz in Frankfurt etabliert und die organisatorischen Voraussetzungen für den operativen Betrieb geschaffen. Zum Jahresende beschäftigte AMLA bereits 119 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 24 Mitgliedstaaten und war damit organisatorisch bereit, ab 2026 eigenständig zu arbeiten.

Erste operative Schwerpunkte bereits sichtbar

Obwohl die eigentliche direkte Aufsicht erst in den kommenden Jahren beginnt, hat AMLA bereits 2025 wesentliche Grundlagen für ihre zukünftige Tätigkeit geschaffen.

Besonderes Gewicht lag auf der Vorbereitung der direkten Beaufsichtigung der künftig von AMLA überwachten grenzüberschreitenden Hochrisiko-Verpflichteten. Hierzu entwickelte die Behörde unter anderem

  • eine gemeinsame Methodik zur Bewertung von Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsrisiken,
  • Kriterien für die Auswahl der künftig direkt beaufsichtigten Institute sowie
  • Verfahren für die Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichtsbehörden beim Übergang der Aufsichtszuständigkeit.

Damit werden bereits heute die Grundlagen für die erste Auswahl der direkt beaufsichtigten Institute geschaffen.

Krypto-Dienstleister bleiben im Fokus

Bemerkenswert ist der deutliche Schwerpunkt auf dem Kryptosektor. AMLA bezeichnet Crypto-Asset Service Provider (CASPs) ausdrücklich als einen der prioritären Risikobereiche der europäischen Geldwäscheaufsicht. Hintergrund sind insbesondere grenzüberschreitende Geschäftsmodelle, technologische Besonderheiten und anonymitätsfördernde Strukturen.

Bereits 2025 koordinierte AMLA hierzu den Informationsaustausch mit nationalen Aufsichtsbehörden und FIUs und bereitete gemeinsame thematische Prüfungen vor.

Auch der Nichtfinanzsektor rückt stärker in den Blick

Erstmals verschaffte sich AMLA zudem einen umfassenden Überblick über die Aufsicht im Nichtfinanzsektor. Hierzu wurden mehr als 120 nationale Aufsichtsbehörden zu Risiken, Aufsichtsstrukturen und praktischen Herausforderungen befragt.

Die Ergebnisse sollen in die europäische Aufsichtsstrategie für den Zeitraum 2026 bis 2028 einfließen. Damit wird deutlich, dass künftig auch Rechtsanwälte, Notare, Immobilienmakler, Güterhändler und andere Verpflichtete außerhalb des Finanzsektors stärker in den Fokus einer europaweit harmonisierten Aufsicht rücken werden.

Aufbau einer europäischen FIU-Kooperation

Auch im Bereich der Financial Intelligence Units (FIUs) wurden wichtige Grundlagen geschaffen. AMLA begann mit dem Aufbau gemeinsamer Analyseverfahren, bereitete die Übernahme von FIU.net vor und entwickelte erste Konzepte für Peer Reviews zwischen den nationalen FIUs.

Darüber hinaus wurden Arbeitsgruppen zur Erarbeitung technischer Standards eingerichtet, unter anderem für die künftigen europäischen Formate von Verdachtsmeldungen sowie für den Informationsaustausch zwischen den FIUs.

Single Rulebook gewinnt weiter an Konturen

Der Tätigkeitsbericht macht außerdem deutlich, dass AMLA die Arbeiten am europäischen Single Rulebook inzwischen maßgeblich prägt. Bereits 2025 wurden die ersten beiden technischen Regulierungsstandards (RTS) an die Europäische Kommission übermittelt und die erste öffentliche Konsultation gestartet.

Damit übernimmt AMLA zunehmend die Rolle des zentralen europäischen Normgebers für die praktische Ausgestaltung der AMLR und der weiteren Rechtsakte des neuen EU-Geldwäschepakets.

Ein Bericht mit klarer strategischer Botschaft

Der erste Tätigkeitsbericht ist naturgemäß kein Leistungsbericht im klassischen Sinne. Die eigentliche Aufsichtstätigkeit beginnt erst schrittweise ab 2026 beziehungsweise mit der Umsetzung des neuen europäischen Geldwäscherechts im Jahr 2027. Gleichwohl verdeutlicht der Bericht, dass AMLA ihre Aufbauphase schneller als erwartet abgeschlossen hat und inzwischen in nahezu allen Aufgabenbereichen operativ arbeitet.

Für Geldwäschebeauftragte lohnt sich die Lektüre insbesondere deshalb, weil der Bericht erkennen lässt, welche Themen AMLA künftig priorisieren wird: stärkere Harmonisierung der Aufsicht, risikobasierte Methoden, intensivere Zusammenarbeit der Behörden, ein besonderer Fokus auf den Kryptobereich sowie eine zunehmend europäisch geprägte Aufsicht auch außerhalb des Finanzsektors. Damit zeichnet sich bereits heute ab, welche Entwicklungen die Geldwäscheprävention in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden.

Erhan Demir

Erhan Demir verfügt über mehr als 10 Jahre Compliance-Erfahrung im Finanzbereich, u.a. auch als Geldwäschebeauftragter. Davor war er u.a. als Strafverfolger tätig. Seit 2022 berät er Unternehmen schwerpunktmäßig zum Thema Financial Crime und Internal Investigations. Daneben schreibt er regelmäßig Fachartikel, u.a. auch für RedFlag AML.

Erhan Demir verfügt über mehr als 10 Jahre Compliance-Erfahrung im Finanzbereich, u.a. auch als Geldwäschebeauftragter. Davor war er u.a. als Strafverfolger tätig. Seit 2022 berät er Unternehmen schwerpunktmäßig zum Thema Financial Crime und Internal Investigations. Daneben schreibt er regelmäßig Fachartikel, u.a. auch für RedFlag AML.

Erhan Demir

Auch interessant

Ihr Konto

Kein Konto?