Seit dem 1. Juli 2026 steht die internationale Geldwäschebekämpfung unter neuer Führung: Mit Giles Thomson übernimmt erstmals seit vielen Jahren wieder ein Vertreter des Vereinigten Königreichs die Präsidentschaft der FATF. Seine Amtszeit läuft bis zum 30. Juni 2028 – und die nun vorgestellten Schwerpunkte lassen erkennen, wohin sich die internationale AML-Agenda in den kommenden zwei Jahren entwickeln dürfte.
Drei Prioritäten für die nächsten zwei Jahre
Thomson will die Arbeit der FATF auf drei zentrale Themen konzentrieren:
1. Betrugsbekämpfung deutlich stärken
Erstmals rückt die FATF den weltweiten Betrug („Fraud“) in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um klassische Betrugsdelikte, sondern auch um die dahinterstehenden Geldwäschestrukturen. Besonderes Augenmerk soll auf international organisierte Scam-Netzwerke und sogenannte Scam Compounds gelegt werden, von denen aus weltweit Anlagebetrug, Romance Scams oder CEO-Fraud betrieben werden. Bereits auf dem FATF-Plenum im Juni wurde hierzu eine eigene Expertensitzung durchgeführt.
Für Verpflichtete bedeutet dies: Betrugsbedingte Geldwäsche dürfte künftig noch stärker in den Fokus von Risikoanalysen, Typologiepapieren und Mutual Evaluations rücken.
2. Den risikobasierten Ansatz wirksamer umsetzen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die konsequentere Anwendung des risikobasierten Ansatzes. Die FATF möchte erreichen, dass ihre Standards nicht lediglich formal erfüllt werden, sondern tatsächlich zu einer effektiveren Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung führen. Dazu sollen insbesondere Aufsichtsbehörden ihre risikobasierte Aufsicht weiterentwickeln und Ressourcen gezielter auf die höchsten Risiken konzentrieren.
Dies passt zur Entwicklung der neuen FATF-Methodik und dürfte sich künftig auch in den Länderprüfungen sowie mittelbar in der europäischen Aufsichtspraxis widerspiegeln.
3. Informationsaustausch ausbauen
Als drittes Handlungsfeld nennt Thomson den Ausbau des Informationsaustauschs. Gemeint sind sowohl die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Privatwirtschaft als auch der Austausch zwischen Unternehmen sowie die internationale Kooperation über Staatsgrenzen hinweg. Ziel ist es, Finanzkriminalität schneller erkennen und wirksamer bekämpfen zu können.
Gerade im Zusammenhang mit komplexen Betrugsfällen und international agierenden Tätergruppen sieht die FATF hier erhebliches Verbesserungspotenzial.
Was bedeutet das für Geldwäschebeauftragte?
Auch wenn die FATF keine unmittelbar verbindlichen Vorgaben für Unternehmen erlässt, geben ihre strategischen Schwerpunkte regelmäßig die Richtung der internationalen AML-Entwicklung vor. Viele ihrer Initiativen finden später Eingang in europäische und nationale Vorgaben oder prägen die Prüfungsmaßstäbe von Aufsichtsbehörden.
Für Geldwäschebeauftragte lohnt es sich daher bereits jetzt, insbesondere die Risiken aus betrugsbezogenen Geldwäschesachverhalten stärker in den Blick zu nehmen. Ebenso dürfte der weitere Ausbau von Informationsaustausch und risikobasierter Steuerung die praktische AML-Arbeit in den kommenden Jahren maßgeblich beeinflussen.


