31. März 2026

AMLA im Realitätscheck: Harmonisierung oder Kontrollillusion?

Marcus Sonnenberg

1 Minute

Da hat es gerappelt in der Kiste! Was als großer europäischer Wurf gedacht war, gerät ins Stolpern. Das erste Public Hearing der AMLA zu den Entwürfen der technischen Regulierungsstandards hat vor allem eines gezeigt: Die Lücke zwischen regulatorischem Anspruch und operativer Realität ist größer als viele wahrhaben wollten.

Mehr als 1.600 Teilnehmende, unzählige Rückfragen – und ein durchgehender Grundton: Unsicherheit. Nicht nur im Detail, sondern fundamental. Beispiel: Schon die Diskussion zur Definition der „business relationship“ geriet zur Grundsatzdebatte. Wann beginnt sie eigentlich? Beim ersten Kontakt? Beim ersten Euro? Oder nie, wenn nur ein Bonus genutzt wird? Wer hier keine klare Linie hat, kann auch keine einheitlichen Standards schaffen.

Noch deutlicher wurde es bei den geplanten CDD-Vorgaben. Allein die hohe Anzahl von Datenpunkte ist aus praktischer Sicht gewagt. Während Banken noch versuchen, bestehende Prozesse zu vereinheitlichen, sollen künftig selbst kleine Marktteilnehmer Prüfungsstandards erfüllen, die heute schon an die Grenzen der Umsetzbarkeit stoßen. Der Hinweis auf „Proportionalität“ wirkt dabei zunehmend wie ein regulatorisches Feigenblatt: formal vorhanden, praktisch kaum spürbar.

Die Reaktionen aus der Praxis sind entsprechend deutlich: Banken, Versicherer, Fondsindustrie, Anwaltschaft – selten war die Kritik so einhellig. Der Vorwurf: Die AMLA droht, den risikobasierten Ansatz durch eine starre Checklistenlogik zu ersetzen.

Das eigentliche Problem liegt tiefer: Ein „Single Rulebook“ erzeugt noch keine einheitliche Anwendung. Wenn selbst die ersten technischen Standards mehr Interpretationsspielraum eröffnen als schließen, bleibt Harmonisierung ein politisches Versprechen – kein operatives Ergebnis.

Die AMLA steht damit vor einer Richtungsentscheidung. Entweder sie schafft es, Pragmatismus, Proportionalität und Marktrealität ernst zu nehmen oder sie baut ein System, das formal perfekt ist, aber praktisch nicht funktioniert.

Marcus Sonnenberg

Dr. Marcus Sonnenberg ist Jurist und berät seit 2015 Unternehmen des Finanzsektors, insb. in Fragen der Bekämpfung von Finanzkriminalität. Seine Arbeit konzentriert sich auf die praktische Umsetzung geldwäscherechtlicher Anforderungen in Organisationen: von der Gestaltung sicherer Prozesse und Systeme über die Kommunikation mit Aufsichtsbehörden bis hin zur Begleitung interner und externer Prüfungen. Als Autor zahlreicher Fachbeiträge kommentiert er regelmäßig aktuelle Entwicklungen in der Geldwäschebekämpfung. Zudem ist er als Dozent in Weiterbildungen und Fachveranstaltungen für Geldwäschebeauftragte und Compliance-Verantwortliche tätig.

Dr. Marcus Sonnenberg ist Jurist und berät seit 2015 Unternehmen des Finanzsektors, insb. in Fragen der Bekämpfung von Finanzkriminalität. Seine Arbeit konzentriert sich auf die praktische Umsetzung geldwäscherechtlicher Anforderungen in Organisationen: von der Gestaltung sicherer Prozesse und Systeme über die Kommunikation mit Aufsichtsbehörden bis hin zur Begleitung interner und externer Prüfungen. Als Autor zahlreicher Fachbeiträge kommentiert er regelmäßig aktuelle Entwicklungen in der Geldwäschebekämpfung. Zudem ist er als Dozent in Weiterbildungen und Fachveranstaltungen für Geldwäschebeauftragte und Compliance-Verantwortliche tätig.

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